Protestaktionen gegen das geplante GKV-Spargesetz

Unsere Praxis bleibt am 10. Juni geöffnet

Am 10. Juni 2026 beteiligen sich viele Praxen an einem bundesweiten Protest gegen das geplante GKV-Spargesetz. Wir teilen die Sorgen und unterstützen die Ziele dieses Protestes.

Unsere Praxis bleibt an diesem Tag dennoch geöffnet. Denn die Zahl der kranken Menschen wird durch einen Schließtag nicht geringer. Akute Beschwerden, chronische Erkrankungen, notwendige Kontrollen, Arbeitsunfähigkeiten und dringende Beratungen bestehen weiter.

Wir protestieren deshalb nicht durch Schließung, sondern durch Information.

Warum wird protestiert?

Die geplanten Sparmaßnahmen werden die ambulante Versorgung deutlich schwächen. Geplant sind unter anderem finanzielle Begrenzungen bei ärztlichen Leistungen, Einschränkungen bisher zusätzlicher Vergütungen sowie Eingriffe in die erst kürzlich beschlossene Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung.

Für Patientinnen und Patienten kann das spürbare Folgen haben:

  • weniger verfügbare Termine
  • längere Wartezeiten
  • weniger Zeit für Gespräche, Koordination und Beratung
  • zunehmende Belastung der Praxisteams
  • schlechtere Planbarkeit und damit Gefährdung wohnortnaher Praxen

Hausarztpraxen sind ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung vor Ort. Wir behandeln akute und chronische Erkrankungen, führen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen durch, koordinieren Facharztbehandlungen und entlasten Notaufnahmen und Krankenhäuser.

Weitere Informationen zu den Protesten und Stellungnahmen finden Sie hier:

Kampagne „Hausarztpraxen retten“ des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes
MEDI: Protestaktion gegen das GKV-Spargesetz
BDI: „Praxen bedroht – Patienten in Not“
KBV-Stellungnahme zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Wie geht es weiter?

Meine persönliche Einschätzung ist: Die aktuelle Diskussion ist kein kurzfristiges Einzelproblem, sondern Ausdruck einer langfristigen Entwicklung.

Unsere Bevölkerung wird älter. Gleichzeitig wird moderne Medizin immer leistungsfähiger, aber auch teurer. Neue Medikamente, bessere Diagnostik, mehr chronische Erkrankungen, mehr Pflegebedürftigkeit und steigende Personalkosten treffen auf eine Gesellschaft, in der künftig weniger Beitragszahler für mehr Behandlungsbedarf aufkommen müssen.

Dieses Missverhältnis wird nicht einfach verschwinden. Auch wenn es politisch selten offen ausgesprochen wird: Die gesetzliche Krankenversicherung wird in Zukunft wahrscheinlich stärker priorisieren müssen, was sie bezahlt – und was nicht. Es ist daher realistisch, dass langfristig nur noch das unbedingt Notwendige abgedeckt wird, während sinnvolle zusätzliche Leistungen häufiger selbst bezahlt werden müssen.

Eine ähnliche Entwicklung kennen viele bereits aus der Rentenversicherung. Trotz hoher Beiträge wissen inzwischen die meisten: Wer sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt, trägt ein Risiko für Versorgungslücken im Alter. Wer es finanziell leisten kann, sorgt zusätzlich privat vor.

Ähnlich sehe ich es bei der Gesundheitsversorgung. Die gesetzliche Krankenversicherung bleibt eine wichtige Grundlage. Sie wird aber vermutlich nicht länger alle medizinisch sinnvollen Wünsche und Möglichkeiten abdecken können.

Deshalb kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig Gedanken über private Gesundheitsvorsorge zu machen – entweder über eine passende private Zusatzversicherung oder durch eigene Rücklagen für medizinisch sinnvolle Leistungen, die nicht oder nicht vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Wichtig ist dabei: Nicht jede Selbstzahlerleistung ist automatisch sinnvoll. Entscheidend sollte immer eine individuelle, medizinisch begründete Beratung sein.